28. Juli 2026 / Good News

Ein halbes Jahrhundert Herzblut für Schweinfurt

50 Jahre Groschenheft

Veröffentlicht am 28. Juli 2026 um 09:40 Uhr

Es gibt Medien, die kommen und gehen. Und es gibt das Schweinfurter Groschenheft.

Seit mittlerweile 50 Jahren begleitet es das Leben in der Region, informiert über Veranstaltungen, erzählt Geschichten und gibt Vereinen, Kulturschaffenden und Unternehmen eine Bühne. Was einst als mutige Idee begann, ist heute aus Schweinfurt kaum noch wegzudenken. Für uns von der Schweinfurt App war dieses Jubiläum der perfekte Anlass, uns mit den beiden Herausgebern Alexandra „Lexi“ Decker und Andreas Erbar zu treffen – für ein Gespräch über Anfänge, Herausforderungen, Zufälle und darüber, warum Leidenschaft manchmal der beste Businessplan ist.

Schon nach wenigen Minuten wird klar: Andreas Erbar kann Geschichten erzählen. Geschichten, die man ihm sofort abnimmt, weil sie ehrlich sind.

Alles begann vor 50 Jahren. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin gründete er das Schweinfurter Groschenheft. Die Inspiration kam aus Würzburg, wo vier Studenten bereits ein ähnliches Heft herausgaben. Andreas dachte sich damals: Das ist eine großartige Idee. Und wenn der Anzeigenverkauf gut läuft, kann man damit vielleicht sogar Geld verdienen.

Der Plan war eigentlich ganz einfach: So viele Anzeigen verkaufen, dass der Druck der ersten Ausgabe finanziert werden konnte. Mehr brauchte es zunächst gar nicht.

Dass daraus einmal ein halbes Jahrhundert Mediengeschichte entstehen würde, konnte damals niemand ahnen.

Doch einfach war der Start nicht. Andreas erinnert sich lachend an eine Begegnung mit einem damaligen Konkurrenten aus dem Bereich Buswerbung. Dieser hielt die erste Ausgabe in den Händen, schaute sie an und sagte trocken:

„Sowas funktioniert in Schweinfurt gar nicht. Das wird nix.“

Heute müssen beide über diesen Satz schmunzeln. Damals allerdings hatte genau diese Aussage den gegenteiligen Effekt. Sie weckte Ehrgeiz.

„Jetzt machen wir das erst recht. Mindestens bis nächstes Jahr. Komme, was wolle.“

Nach zwei Jahren war dann endgültig klar, dass das Konzept funktionierte.

„Jetzt haben wir eine Zeitung für junge Leute jeden Alters.“

Ein Satz, der das Groschenheft bis heute ziemlich gut beschreibt.

Denn schon früh wollten immer mehr Menschen dabei sein. Vereine meldeten ihre Termine, Veranstalter wollten ins Heft, Unternehmen entdeckten den Wert der Reichweite. Das Groschenheft entwickelte sich ganz natürlich zu dem, was es heute ist.

Und genau darin sieht Andreas bis heute das eigentliche Erfolgsgeheimnis.

Es gab nie einen ausgefeilten Masterplan.

Keine große Strategie.

Keine Marktforschung.

Stattdessen Intuition.

Man ließ Entwicklungen zu, hörte auf die Menschen und folgte dem eigenen Bauchgefühl. Vielleicht genau deshalb überlebte das Groschenheft Zeiten, in denen viele andere Medien längst verschwunden sind.

Auch die Zusammenarbeit mit der Schweinfurt App entstand genau aus diesem Gedanken heraus. Konkurrenz war nie das Thema.

Gemeinsam erreicht man einfach mehr Menschen.

Das Groschenheft informiert seit Jahrzehnten auf Papier, die Schweinfurt App ergänzt digital. Zwei Wege, aber dieselbe Idee: Informationen sollen dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Besonders bewegend wird das Gespräch, als es um die Zukunft geht.

Andreas wird nachdenklich.

Man merkt schnell, dass das Groschenheft für ihn nie einfach nur ein Beruf war.

Es war immer auch Halt.

Ein verlässliches Gerüst.

Ein Stück Leben.

Natürlich kommt irgendwann die Frage, wie lange man das alles noch machen möchte. Nicht, weil die Leidenschaft nachlässt, sondern weil das Alter irgendwann seine eigenen Fragen stellt.

Und genau an diesem Punkt kommt Alexandra „Lexi“ Decker ins Spiel.

Eigentlich ganz ohne Plan.

Die gebürtige Schweinfurterin ist sie nicht. Als sie in die Stadt kam, kannte sie das Groschenheft bereits und war überzeugt, dass hinter jeder Ausgabe eine riesige Redaktion stecken müsse.

Dann lernte sie Andreas eher zufällig im gemeinsamen Lieblingscafé kennen.

Die beiden verstanden sich auf Anhieb.

Aus einem Gespräch wurden viele Gespräche.

Aus gegenseitigem Respekt entstand Vertrauen.

Und schließlich die Entscheidung, gemeinsam die Zukunft des Groschenhefts zu gestalten.

„Das Groschenheft darf auch in Zukunft bestehen bleiben – wenn man es mit Herzblut und Leidenschaft weiterentwickelt“, sagt Lexi überzeugt.

Man glaubt ihr jedes Wort.

Denn auch sie folgt weniger einem fertigen Konzept als vielmehr ihrer Intuition.

Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept dieses ungewöhnlichen Duos.

Während Andreas auf fünf Jahrzehnte Erfahrung zurückblickt, bringt Lexi neue Ideen und frische Perspektiven mit.

Tradition und Zukunft sitzen hier sprichwörtlich an einem Tisch.

Stillstand ist für beide ohnehin keine Option.

Erst zum 1. April dieses Jahres kam ein weiterer wichtiger Baustein hinzu: die Schweinfurter Stadtwerbung.

Über 50 Informationsanlagen im gesamten Stadtgebiet gehören nun ebenfalls zum Unternehmen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Ralf Hofmann wurde die Übernahme auf den Weg gebracht.

Für Lexi und Andreas war schnell klar, welches Potenzial darin steckt.

Das Groschenheft verändert sich dadurch nicht.

Es bekommt lediglich neue Möglichkeiten.

Neue Synergien.

Neue Wege, Menschen zu erreichen.

Während Andreas mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Stadt künftig intensivere Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern erwartet, sieht Lexi darin vor allem eine gemeinsame Aufgabe.

„Jetzt müssen alle offener sein und an einem Strang ziehen, damit Schweinfurt vorankommt.“

Ein Satz, der weit über das Groschenheft hinaus Bedeutung hat.

Auf die Frage nach seinem bewegendsten Moment muss Andreas nicht lange überlegen.

Es war nicht eine hohe Auflage.

Nicht ein Jubiläum.

Nicht ein wirtschaftlicher Erfolg.

Sondern ein Satz.

Ein Preisträger, über den das Groschenheft berichtet hatte, sprach vom „unbezahlbaren Groschenheft“.

Aus einem kostenlosen Heft wurde plötzlich etwas Unbezahlbares.

„Das war für mich ein Ritterschlag“, erzählt Andreas sichtlich bewegt.

Ein schöneres Kompliment kann man einem Medium vermutlich kaum machen.

Und nun gibt es endlich einen Grund, gemeinsam zu feiern.

Am 19. September steigt ab 19.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Schweinfurt die große Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Groschenhefts.

Musikalisch begleitet wird der Abend von Living Contrasts. Oberbürgermeister Ralf Hofmann und Landrat Florian Töpper werden Grußworte sprechen, anschließend steht vor allem eines im Mittelpunkt: gemeinsam feiern.

Die Schweinfurt App verlost 2 x 2 Eintrittskarten für dieses besondere Jubiläum.

Wer kein Glück bei der Verlosung hat, sollte trotzdem schnell sein. Die Karten sind begrenzt und in der Buchhandlung Colibri am Marktplatz erhältlich. Besonders schön: Der Erlös der Veranstaltung kommt dem Frauenhaus Schweinfurt zugute.

Wir gratulieren Alexandra „Lexi“ Decker, Andreas Erbar und dem gesamten Team des Schweinfurter Groschenhefts von Herzen zu 50 Jahren voller Leidenschaft, Mut und Beharrlichkeit.

Auf die nächsten Kapitel einer Geschichte, die für Schweinfurt hoffentlich noch lange nicht zu Ende geschrieben ist.

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