28. September 2026 / Good News

Mit herzhaftem Lachen zum Lebensretter

Erste-Hilfe-Kurs zum Kaputtlachen

Veröffentlicht am 28. September 2026 um 11:58 Uhr

Comedy mit dem Notarzt Dr. Lüder Warnken in Bamberg/Bayreuth – Nordlicht mit fränkischen Wurzeln

Bamberg/Bayreuth – „Moin, Moin“, tönt es aus dem Telefonhörer und der Franke am anderen Ende der Leitung stutzt. „Moin“ am Nachmittag? Der Gesprächspartner im hohen Norden ist Dr. Lüder Warnken, Notarzt und Comedian in Personalunion. Im Telefoninterview geht es um die bemerkenswerte berufliche Ko-Konstellation, um enge Beziehungen ins Frankenland sowie die Risiken und Nebenwirkungen seiner Auftritte in den Bamberger Haas-Sälen am Dienstag, 1. Dezember, und am Mittwoch, 2. Dezember, im Zentrum in Bayreuth. Die Fern-Diagnose: Es ist mit Muskelkater im Bereich des Zwerchfells zu rechnen, aber auch mit lebensrettenden Erkenntnissen.

Lüder Warnken wurde in Bremen geboren, wurde aber mit zwei Jahren „nach Erlangen verzogen, weil der Vater als Ingenieur für Elektrotechnik dem Angebot eines Weltkonzerns folgte. Er ging in Nürnberg zur Schule und absolvierte dort nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr im Pflegedienst die Ausbildung zum Rettungsassistenten, ehe er in Erlangen und Lübeck Medizin studierte und 2022 an der Uni Münster promovierte.

Seit 2016 ist er als Comedian bundesweit unterwegs – mit einer besonderen Passion. „Ich möchte, dass Deutschland zum besten Ersthelfer-Land der Welt wird.“

Die Erfahrungen und Erlebnisse aus über 5000 Rettungseinsätzen fließen in sein Bühnenprogramm ein. Dazu gehören „viele Dinge, die in der Notaufnahme passieren, wo alle denken, dass da nur das Grauen und amputierte Beine so weit das Auge reicht, das Szenario bestimmen, dabei passieren ganz viele lustige Dinge – mit den Patienten und Kollegen“. Und weil er den Eindruck hatte, dass viele Angst vor einem Notfall haben, weil sie nicht wissen, was zu tun ist und auch keine Lust haben, nochmals einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen, hat Dr. Warnken die „gesammelten Geschichten aus Rettungsdienst und Krankenhaus in fluffige Comedy gepackt“ , um so die Message zu vermitteln, dass es total einfach ist, zu helfen, weil sich alles auf drei Notfallsituationen runterbrechen lässt. Und die Nebenwirkungen? „Das ist gut ausgetestet, da muss keiner allergische Reaktionen befürchten. Es wird ein superlustiger Abend, bei dem ich viel Interaktion mit dem Publikum suche.“

Ob man dazu der Schelm sein muss, der ihm ins Gesicht geschrieben scheint? Dr. Warnken: „Naja, ich war schon immer der Klassenkasper während meiner Schulzeit in Nürnberg. Ich denke, man braucht einen gewissen Hang dazu, wenn man sich allein auf eine Bühne stellt.“ Das macht er während der anstehenden Herbsttour wieder mehrfach in der Woche. Die Notarztdienste im Bereich Husum/Tönning in Nordfriesland übernehmen dann Kollegen. „Wir haben da einen Dienstplan, der langfristig aufgestelltwird und in den jeder seine Wunschtermine einträgt. Das lässt sich gut im Voraus planen. Im August und September sind die meisten Stadthallen geschlossen, da sitze eben ich im Rettungswagen. Mein Hauptjob liegt zwar auf der Bühne, aber ich werde weiterhin Notarzt fahren, weil ich wissen will, was sich ändert und das ist ja auch die Quelle für meine Geschichten.“

Dazu gehören auch jede Menge Geschichten fränkischen Ursprungs, weswegen er sich augenzwinkernd auf einige Pointen freut, die „ich so nur im Frankenland bringen kann, weil mich in Hamburg oder Hannover nur leere Gesichter angucken würden.“ Kostprobe gefällig? „In Nürnberg wurden wir damals im Rettungswagen von der Leitstelle per Funk alarmiert: Fohrt amol nei die Duunand-Stroß‘, Hausnummä 14. Da is a Dumuld, schaut Euch do mol um! Mein Beifahrer, der auch nicht aus Franken stammte, und ich schauten uns verdutzt an und fragten: Wohin? – Antwort: Nei die Duunandstroß‘! Zum Glück hörte eine andere Wagenbesatzung über Funk mit: Er meint Dunant-Straße.“ Ein Franke ohne Französischkenntnisse und ausgerechnet die Straße, die nach dem Mitbegründer des Internationalen Roten Kreuzes, Henry Dunant, benannt worden war.

Und Warnken wurde wegen seines Vornamens gehänselt: „Ich war wohl der einzige Lüder in ganz Nürnberg und wurde immer wieder gefragt: Lüder? Hat das was mit Luder zu tun?“ Das sei aber kein rein fränkisches Phänomen. „Ich habe an der Uniklinik in Lübeck in der Anästhesie gearbeitet und da hat beim Lüder auch jeder nochmal nachgefragt. Egal, wohin ich komme, noch nie hat einer gesagt: Lüder? Det kenn‘ ick.“

Und dennoch kehrt das Nordlicht immer gerne ins Frankenland zurück, wie für seine Auftritte in Bamberg und Bayreuth. „Wenn ich meine Eltern besuche, die ja noch immer in Franken leben, ist das für mich auch Heimat.“

Foto: Marvin Ruppert

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