Die zwei Schweinfurter, Rainer Hörmann und Bernhard Schilling, haben den Carbage Run durch den Balkan erfolgreich gemeistert. In unserem Interview erzählen sie von Polizeikontrollen, Pannen, Gastfreundschaft und warum am Ende der fünfte Gang in Albanien geblieben ist.
Frage: Erst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Ihr seid wieder zurück. Was war der Carbage Run eigentlich?
Antwort: Der Carbage Run ist keine klassische Rallye, sondern ein Abenteuer. Man fährt mit einem alten Auto, das höchstens 1.000 Euro wert sein darf, quer durch Europa. Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern um Teamgeist, verrückte Erlebnisse und darum, irgendwie ins Ziel zu kommen. In unserem Fall waren das insgesamt 3.691 Kilometer bis nach Albanien und wieder zurück.
Frage: Wie begann eure Reise?
Antwort: Los ging es am 19. Juni morgens um 8 Uhr. Schon beim ersten Treffpunkt mit den „Spessarträubern“ wurde klar: Langweilig wird diese Tour nicht. Noch vor der eigentlichen Abfahrt wurde an einem Fahrzeug die Benzinpumpe notdürftig repariert. Auf der Anreise sorgten Mautfragen, ein schweres Gewitter und schließlich eine Polizeikontrolle in Österreich für zusätzliche Spannung.
Frage: Was wollte die Polizei von euch?
Antwort: Die Beamten haben unser Auto genau unter die Lupe genommen. Beanstandet wurden unter anderem Zusatzscheinwerfer und eine Rundumleuchte. Die Rundumleuchte war zum Glück nur mit Magneten befestigt und konnte sofort entfernt werden. Außerdem musste einer von uns noch einen Alkoholtest machen – der natürlich problemlos verlief. Danach durften wir weiterfahren.
Frage: Wann wurde euch klar, dass euer Auto zum Sorgenkind wird?
Antwort: Eigentlich schon auf der Hinfahrt. Die Schaltung machte Probleme, der fünfte Gang und der Rückwärtsgang ließen sich nur schwer einlegen. Wir wussten: Das könnte uns die ganze Reise begleiten. Tatsächlich wurde die Schaltung mit zunehmender Hitze immer schlechter.
Frage: Trotzdem habt ihr jeden Tag das Ziel erreicht.
Antwort: Ja, manchmal mit viel Improvisation. Besonders in Albanien war es kritisch. Plötzlich ließ sich überhaupt kein Gang mehr einlegen. Also wurde Werkzeug ausgepackt. Bernd entdeckte auf einem Sperrmüllhaufen ein passendes Teil. Gemeinsam mit einem ADAC-Pannenfahrer aus einem anderen Team entstand dann eine echte MacGyver-Reparatur – aus Benzinschlauch, einem Fundstück vom Sperrmüll, einer Red-Bull-Dose, Panzertape und Kabelbindern. Danach funktionierte das Auto tatsächlich wieder – zumindest ohne fünften Gang.
Frage: Ihr habt unterwegs auch einige Herausforderungen auf den Campingplätzen erlebt.
Antwort: Allerdings. In Kroatien feierten unsere Nachbarn bis spät in die Nacht mit einer riesigen Musikanlage. Unsere Salami ist beim Abendessen regelrecht im Takt des Basses über das Brot gehüpft. Später wurde der Wind so stark, dass Zelte und Campingmöbel davonflogen. Wir mussten unser eigenes Lager mitten in der Nacht abbauen und haben schließlich unter freiem Himmel geschlafen.
Frage: Es gab aber nicht nur Pannen und Chaos?
Antwort: Nein, ganz im Gegenteil. Besonders beeindruckt hat uns die Hilfsbereitschaft der Menschen. In Albanien wollten wir unseren mitgebrachten Rollstuhl und medizinische Hilfsmittelan ein Pflegeheim spenden. Ein Einheimischer brachte uns kurzerhand persönlich dorthin. Wir wurden unglaublich herzlich empfangen und verabschiedeten uns nach vielen Dankesworten und einer Tasse Kaffee. Solche Begegnungen bleiben lange in Erinnerung.
Frage: Welche Landschaft hat euch am meisten beeindruckt?
Antwort: Montenegro. Atemberaubende Küstenstraßen, Berge und fantastische Ausblicke. Leider gibt es aber auch Schattenseiten. In vielen Gegenden liegt viel Müll in der Natur. Das passt überhaupt nicht zu den wunderschönen Landschaften.
Frage: Ihr habt bewusst auf viele Challenges des Carbage Runs verzichtet. Warum?
Antwort: Irgendwann haben wir gesagt: Wir sind nicht mehr zwanzig. Uns ging es nicht darum, jede Aufgabe zu erfüllen oder Punkte zu sammeln. Wir wollten die Reise genießen. Wir haben uns selbst als „Statler und Waldorf“ bezeichnet – zwei entspannte Rentner, die lieber einen Kaffee trinken oder baden gehen, als sich unnötigen Stress zu machen.
Frage: Gab es unterwegs Momente, in denen ihr ans Aufgeben gedacht habt?
Antwort: Eigentlich nicht. Natürlich gab es Situationen, in denen wir dachten: Jetzt ist Schluss. Aber irgendwie fand sich immer eine Lösung. Genau das macht den Carbage Run aus. Jeder hilft jedem. Im WhatsApp-Chat wurden Ersatzteile gesucht – von der Hinterachse bis zur Frontscheibe. Irgendjemand hatte immer eine Idee.
Frage: Wie fühlte sich der Zieleinlauf an?
Antwort: Einfach großartig. Nach den letzten Kilometern erreichten wir Karlobag in Kroatien, erhielten unsere Medaillen und tauschten sogar noch eine unserer Dekofiguren mit einem schwedischen Team gegen eine Dose Bier. Danach gönnten wir uns noch zwei entspannte Tage am Meer, bevor es auf die Heimreise ging.
Frage: Und das Auto?
Antwort: Es hat durchgehalten. Allerdings sind der fünfte Gang und der Rückwärtsgang wohl irgendwo in Albanien geblieben. Aber entscheidend ist: Wir sind angekommen.
Frage: Was nehmt ihr von dieser Reise mit?
Antwort: Dass Erlebnisse wichtiger sind als Perfektion. Dass Hilfsbereitschaft überall auf der Welt existiert. Und dass man manchmal einfach losfahren muss, auch wenn nicht alles perfekt vorbereitet ist. Die schönsten Geschichten entstehen genau dann, wenn etwas nicht nach Plan läuft.
Zum Abschluss bleibt vor allem eines: Der Carbage Run war weit mehr als eine Tour mit einem alten Auto. Es waren Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen, unvergessliche Landschaften, improvisierte Reparaturen und jede Menge Geschichten, die noch lange erzählt werden. Die beiden Schweinfurter sind sich jedenfalls einig: Das Abenteuer hat sich gelohnt – und wer weiß, vielleicht steht schon bald die nächste verrückte Tour auf dem Programm.
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