Manche Menschen buchen für ihren Urlaub ein Hotel mit Meerblick. Andere steigen in ein über 30 Jahre altes Auto, packen Schlafsack und Abenteuerlust ein und fahren mehrere tausend Kilometer quer durch Europa. Zu dieser zweiten Kategorie gehören in diesem Jahr Bernhard Schilling und Rainer Hörmann aus Schweinfurt.
Die beiden 62-Jährigen nehmen erstmals am Carbage Run teil – dem wohl verrücktesten Roadtrip Europas. Der Name ist dabei Programm: „Carbage“ leitet sich von „Garbage“ ab, dem englischen Wort für Abfall. Gefahren werden nämlich keine hochglanzpolierten Luxuskarossen, sondern echte „Rostlauben“. Die wichtigste Teilnahmebedingung: Das Fahrzeug muss mindestens 20 Jahre alt sein und darf einen Wert von maximal 1.000 Euro besitzen.
Für Schilling und Hörmann bedeutet das: Start frei für ihren VW Polo Baujahr 1995. Mit dem mittlerweile 31 Jahre alten Kleinwagen wagen sie sich auf eine fünftägige Abenteuerreise durch einige der schönsten Regionen Europas.
Los geht es auf einem Campingplatz im österreichischen Spielberg. Dort treffen sich rund 570 Teams mit insgesamt etwa 1.200 Teilnehmern aus verschiedenen Ländern. Jedes Team besteht aus mindestens zwei Personen. Von dort aus startet täglich eine neue Etappe. Das Besondere: Die genaue Route erhalten die Teilnehmer erst am jeweiligen Morgen. Anschließend können sie zwischen einer kurzen, mittleren oder langen Strecke wählen und legen dabei täglich zwischen 400 und 500 Kilometer zurück.
Die diesjährige Route führt die Teilnehmer zunächst nach Kroatien, anschließend nach Montenegro und Albanien, bevor es wieder zurück Richtung Heimat geht. Am Ende jeder Tagesetappe treffen sich alle Teams auf einem Campingplatz, wo gemeinsam übernachtet, gegessen und die Erlebnisse des Tages ausgetauscht werden.
Und Erlebnisse gibt es beim Carbage Run reichlich. Neben dem eigentlichen Fahren müssen unterwegs immer wieder kreative, lustige oder auch verrückte Aufgaben erfüllt werden. Im vergangenen Jahr musste sich beispielsweise ein Teilnehmer an einem Straßenschild festkleben. Eine andere Aufgabe bestand darin, die größte Himbeere zu finden. Welche Herausforderungen in diesem Jahr auf die Schweinfurter warten, bleibt bis zum Start ein gut gehütetes Geheimnis.
Doch für Bernhard Schilling und Rainer Hörmann steht nicht nur der Spaß im Vordergrund. Die beiden haben noch eine besondere Mission im Gepäck. Durch sein Engagement bei der Schweinfurter Tafel konnte Rainer Hörmann einen Rollstuhl organisieren, den das Team während der Reise mitführt. In Albanien soll dieser an eine gemeinnützige Einrichtung beziehungsweise an bedürftige Menschen übergeben werden. So verbindet die ungewöhnliche Rallye Abenteuerlust mit einem sozialen Gedanken.
Nun bleibt zu hoffen, dass der betagte VW Polo die Strapazen der Reise genauso gut meistert wie seine beiden Fahrer. Wir wünschen Bernhard Schilling und Rainer Hörmann viele unvergessliche Erlebnisse, spannende Begegnungen, möglichst wenige Pannen und natürlich allzeit gute Fahrt.
Auf ihren Bericht nach der Rückkehr nach Deutschland dürfen wir schon jetzt gespannt sein.
Foto: Bernhard Schilling

