Es gibt Themen, die spalten eine Stadt. Die Zukunft der Schweinfurter Stadthalle gehört ohne Zweifel dazu.
Auf der einen Seite stehen die nüchternen Zahlen. Schweinfurt steckt finanziell in einer schwierigen Lage. Der Haushalt für das kommende Jahr ist noch immer nicht genehmigt. Jeder Euro wird mehrfach umgedreht. Da wirkt die Frage berechtigt: Kann sich die Stadt eine Stadthalle überhaupt noch leisten?
Auf der anderen Seite steht eine Frage, die sich nicht so einfach in Tabellen oder Haushaltsplänen beantworten lässt: Kann sich Schweinfurt leisten, keine Stadthalle mehr zu haben?
Genau darüber wurde am gestrigen Abend intensiv diskutiert. Zur Informationsveranstaltung hatten die Betreiber der Stadthalle, Adi Schön und Maria Kraft, eingeladen. Zahlreiche Stadträte, Christiane Michal-Zaiser, Zweite Bürgermeisterin der Stadt Schweinfurt, Vertreter der Schwarzen Elf, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer sowie viele weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Vereinsleben waren gekommen. Es wurde diskutiert, nachgehakt, argumentiert – manchmal sachlich, manchmal emotional. Und genau das zeigt, welche Bedeutung dieses Gebäude für viele Menschen besitzt.
Denn die Stadthalle ist längst mehr als Beton, Glas und Erinnerungen.
Sie ist der Ort, an dem Kinder zum ersten Mal ein Ballett erleben. Wo internationale Künstler auftreten, die sonst in Häusern wie der Berliner Philharmonie zu Gast sind. Wo Hochzeiten gefeiert werden, Unternehmen ihre Mitarbeiter versammeln, Vereine Jubiläen ausrichten, Vorträge stattfinden und Menschen zusammenkommen.
Kurz gesagt: Sie ist einer der wenigen Orte in Schweinfurt, an dem Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft unter einem Dach zusammentreffen.
Natürlich gibt es Alternativen. Die Disharmonie mitten in der Innenstadt ist ein wunderbarer Kulturort – allerdings nicht für große Veranstaltungen ausgelegt. Das Konferenzzentrum auf der Maininsel erfüllt wiederum ganz andere Aufgaben. Genau das betonte auch die Gutachterin noch einmal ausdrücklich: Beide Häuser stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie ergänzen sich vielmehr und bedienen unterschiedliche Veranstaltungsformate.
Besonders spannend wurde der Abend, als erstmals das unabhängige Gutachten vorgestellt wurde, das die Kolping-Stiftung in Auftrag gegeben hatte. Ziel war es, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Stadthalle objektiv zu untersuchen.
Die Ergebnisse überraschen.
Rund 31.750 Besucherinnen und Besucher kamen allein im Jahr 2025 in die Stadthalle, davon fast 29.000 Freizeit- und Kulturgäste.
Noch interessanter wird es beim Blick auf die Wirtschaft.
Denn die eigentlichen Einnahmen entstehen nicht nur innerhalb der Stadthalle. Besucher gehen vorher essen, trinken danach noch etwas, übernachten in Hotels, kaufen ein oder nutzen Dienstleistungen in der Stadt. Laut Gutachten entstehen dadurch jährlich rund 1,23 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz außerhalb der Stadthalle. Insgesamt werden wirtschaftliche Effekte von rund 1,47 Millionen Euro ausgelöst.
Oder anders formuliert:
Für jeden Euro, der in der Stadthalle ausgegeben wird, entstehen außerhalb des Gebäudes weitere sieben Euro Umsatz.
Das ist ein Satz, der gestern im Saal hängen blieb.
Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Kulturförderung. Es geht um Gastronomie. Hotels. Einzelhandel. Dienstleister. Handwerker. Um Arbeitsplätze. Laut Gutachten hängen rechnerisch 22 Einkommensäquivalente direkt oder indirekt an den wirtschaftlichen Effekten der Stadthalle.
Und dennoch bleibt die andere Wahrheit bestehen.
Schweinfurt hat kein Geld.
Diese Tatsache verschwindet auch durch ein positives Gutachten nicht.
Gerade deshalb war eine Aussage des Abends bemerkenswert.
Die Kolping-Stiftung und die Kolping-Familie signalisierten deutlich, dass sie bereit seien, die Stadthalle auf eigenes wirtschaftliches Risiko weiterzuführen. Sie verlangen kurzfristig keine großen finanziellen Zuschüsse der Stadt. Was sie brauchen, ist etwas anderes.
Planungssicherheit.
Fünf Jahre.
Ein Vertrag, der garantiert, dass die Stadthalle in dieser Zeit nicht verkauft wird. Nur so seien Investitionen, langfristige Veranstaltungsplanungen und der weitere Betrieb überhaupt seriös möglich.
Der Appell war eindeutig.
Und vielleicht liegt genau darin der eigentliche Kern der Diskussion.
Denn verkaufen kann man eine Immobilie nur einmal.
Das Geld aus einem Verkauf würde kurzfristig helfen. Daran besteht kein Zweifel.
Doch was passiert danach?
Bleibt die Stadthalle ein Veranstaltungsort?
Oder entsteht irgendwann ein weiterer Wohnblock? Ein Bürogebäude? Eine Gewerbefläche?
Niemand weiß es.
Und genau das macht die Entscheidung so schwierig.
Vielleicht sollte die Debatte deshalb gar nicht nur um die Frage kreisen, was die Stadthalle kostet.
Sondern darum, was es Schweinfurt kosten würde, sie zu verlieren.
Denn manche Gebäude sind eben mehr als ihre Bilanz.
Sie sind Teil der Identität einer Stadt.
Und wenn sie einmal verschwunden sind, merkt man oft erst dann, welchen Wert sie eigentlich hatten.
Das vollständige Gutachten stellen wir euch HIER zur Verfügung. Bildet euch eure eigene Meinung – denn diese Entscheidung betrifft am Ende uns alle.
Foto und Text: Katharina Riedel, Schweinfurt.Info

























