25. Februar 2026 / OB-Wahl 2026

Verantwortung statt Prestige

Dr. Ulrike Schneider will Schweinfurt neu ausrichten

Veröffentlicht am 25. Februar 2026 um 13:04 Uhr

Seit drei Jahrzehnten gehört Dr. Ulrike Schneider dem Stadtrat an – 24 Jahre davon in der Opposition. Nun kandidiert sie für das Amt der Oberbürgermeisterin von Schweinfurt. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre – und darüber, warum für sie künftig „weniger mehr“ sein soll.

Geboren in Schweinfurt, hier verwurzelt, trotz Studien- und Arbeitsstationen im Ausland nie ganz fort gewesen: „Ich komme vom Rathaus und von dieser Stadt nicht los“, sagt Schneider. Ein Satz, der ihre politische Biografie treffend zusammenfasst. Seit 30 Jahren gestaltet sie Kommunalpolitik mit – mit Ausdauer und klarer Haltung.

Beruflich bringt die promovierte Wissenschaftlerin umfassende Führungserfahrung mit. Heute ist sie Geschäftsführerin eines wissenschaftlichen Instituts an der Technischen Universität München in Weihenstephan, zuvor hatte sie leitende Funktionen in international tätigen Unternehmen inne. Diese Kombination aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunalpolitik sieht sie als wertvolle Grundlage für das Oberbürgermeisteramt – gerade in einer Industriestadt wie Schweinfurt, die zugleich Hochschulstandort und Kulturzentrum ist.

Bruch mit der CSU – Gründung der „Initiative Zukunft“

Politisch begann Schneider ihre Laufbahn in der Christlich-Soziale Union in Bayern. Sie war sogar stellvertretende Vorsitzende unter Markus Söder. Doch mit der Zeit wuchs die inhaltliche Distanz. Ihr Anspruch, christlich-konservative Werte mit konsequenter Nachhaltigkeitspolitik zu verbinden, habe sie dort nicht mehr ausreichend verwirklichen können.

Die Konsequenz: Sie gründete die „Initiative Zukunft“, eine kommunalpolitische Gruppierung mit klar nachhaltiger Ausrichtung, die sich programmatisch an der Ökologisch-Demokratische Partei orientiert. Seit Jahren setze sie sich im Stadtrat für ökologische und finanziell verantwortungsvolle Entscheidungen ein.

„Wir hätten nicht in dieses Finanzdesaster rutschen müssen“

Ein zentrales Thema ihrer Kandidatur ist die Haushaltslage der Stadt. Schneider spricht offen von einem „Finanzdesaster“. Spätestens seit dem Einbruch der Gewerbesteuern 2019 sei absehbar gewesen, dass die bisherigen Einnahmen nicht mehr erreicht würden. Dennoch sei weiter geplant und investiert worden, ohne die Realität ausreichend zu berücksichtigen.

Sie kritisiert kostenintensive Prestigeprojekte und langwierige Planungen. Bürgerbegehren wie „Natur statt Beton“ hätten mit breiter Zustimmung Fehlentwicklungen korrigiert – allerdings unter erheblichem Kraftaufwand der Bürgerschaft. Auch Projekte wie der Bürgerpark oder die Umgestaltung des Skateparks sieht sie als Beispiele für kostspielige Fehlplanungen.

Ihr Credo: „Weniger ist mehr.“

Statt teurer Konzepte plädiert sie für pragmatische, naturnahe Lösungen, strengere Bebauungspläne und eine sparsame Mittelverwendung. Man könne Grünflächen schaffen, Aufenthaltsqualität erhöhen und Klimaschutz betreiben, ohne Millionenbeträge in aufwendige Planungen zu investieren. Kommunen im Norden Deutschlands seien hier Vorbilder im verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern.

Realismus in der Wirtschaftspolitik

Was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, bleibt Schneider realistisch. Die kommunale Ebene könne Industriepolitik nur begrenzt beeinflussen. Hoffnung setzt sie in neue Projekte wie die geplante KI-Factory. Hier müsse die Stadt schnell handeln, Bebauungspläne zügig entwickeln und aktiv um Ansiedlungen werben. Dennoch sei klar: Ein Oberbürgermeister könne nicht allein globale Entwicklungen ausgleichen.

Verwurzelt in der Stadt

Auch persönlich ist Schneider eng mit Schweinfurt verbunden. Neben den Wäldern rund um die Stadt nennt sie den Martin-Luther-Platz als einen ihrer Lieblingsorte – geprägt von familiären Erinnerungen und ihrem evangelischen Glauben. Der Platz stehe für Beständigkeit und Haltung, Eigenschaften, die sie auch in ihrer Politik verwirklichen möchte.

Appell an die Wählerinnen und Wähler

Zum Abschluss richtet Schneider einen klaren Appell an die Bürgerinnen und Bürger: Sie sollten genau prüfen, wer viel verspreche – und wer über Jahre hinweg konsequent gearbeitet habe. Nachhaltigkeit, Haushaltsdisziplin und Transparenz seien keine kurzfristigen Wahlkampfthemen, sondern das Ergebnis langjähriger Überzeugung.

„Schweinfurt ist lebens- und liebenswert“, sagt sie. Doch es gebe viel zu tun. Ihr Ziel sei es, die Stadt finanziell zu stabilisieren und zukunftsfähig auszurichten – gemeinsam mit einer engagierten Bürgerschaft.

 

Das ganze Interview als Video findet ihr HIER!

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